Das war wohl nichts, Herr Höcke!
Mit einem Misstrauensvotum wollte AfD-Chef Björn Höcke Ministerpräsident Voigt (CDU) stürzen. Doch es kam ganz anders. 33 Stimmen für Höcke – bei 32 eigenen Abgeordneten, eine Stimme bekam Höcke von einer anderen Partei. Gültige Stimmen: 85, 51 Abgeordnete stimmten mit „Nein“. 88 Sitze sind im Thüringer Landtag vergeben. Es bestehen schwierige Mehrheitsverhältnisse mit einem Patt zwischen Koalition und Opposition, denn die Koalition kommt genau auf 44 Sitze. Nötig wären 45 Stimmen gewesen, um den wegen der Aberkennung seines Doktortitels in der Kritik stehenden Voigt abzuwählen. Doch es fehlten ganze 12 Stimmen. Vertreter der Koalition kritisierten das Agieren der AfD im Landtag als „Showveranstaltung“ oder „Schmierentheater“.
Den AfD-Anhängern passt das überhaupt nicht, sie schäumen vor Wut, besonders in den sozialen Netzwerken. Es sei nicht demokratisch, pöbeln die entsetzten AfD-Anhänger. Doch, genau das ist eben Demokratie, denn es hätte auch anders ausgehen können. Dann hätte der Pöbel gejubelt.
Hat Voigt geschummelt?
Anlass für den Höcke-Vorstoß war der Entzug von Voigts Doktortitel vor einer Woche durch die Technische Universität Chemnitz. Nun will Voigt sich als Privatmann juristisch gegen den Beschluss der Technischen Universität Chemnitz zur Wehr setzen. Das ist sein gutes Recht. Er gibt an, die beanstandeten Stellen machten nur einen sehr geringen Teil seiner Dissertation aus und sagt: „Der wissenschaftliche Kern meiner Arbeit ist unstrittig.“ Bis zu einem Urteil darf Thüringens Ministerpräsident seinen Doktortitel weiterführen. Nun steht auch die TU Chemnitz unter Rechtfertigungsdruck. Kurz vor der Thüringer Landtagswahl 2024 wurde das Prüfverfahren eingeleitet. Ein von der Technischen Universität Chemnitz beauftragtes externes Gutachten entkräftete Anfang 2025 zunächst die Vorwürfe. Auffallend ist, dass im selben Jahr die Kriterien zur Bewertung von Plagiatsvorwürfen überarbeitet wurden. Nun wurde die Dissertation von Voigt 2025 abermals einer Prüfung unterzogen, diesmal mit den geänderten neuen Kriterien. Der Ausschuss legte ein internes Gutachten mit der Empfehlung zur Aberkennung des Doktorgrades vor. Nach geschlagenen 17 Monaten wurde im Januar 2026 Voigt der Doktortitel aberkannt. Rechtlich gesichert ist das noch nicht, denn wie schon gesagt, will Voigt juristisch gegen den Beschluss vorgehen.
Ganze 12 Stimmen fehlten
Björn Höcke sah sich nun seinem Ziel näher, Ministerpräsident von Thüringen zu werden und war am Ende doch so weit weg. Ganze 12 Stimmen fehlten ihm. Das ist viel in einem Landtag mit nur 88 Sitzen. Höcke spricht bei Voigt von Betrug. Ein Mann, der zweimal rechtskräftig in einem Strafverfahren verurteilt wurde, spricht nun von Betrug eines anderen? Wohlgemerkt: Der Plagiatsvorwurf gegen Voigt ist rechtlich derzeit nicht abschließend gesichert.